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Lao Tzu (‚Alter Meister‘)
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23.07.2012, 09:34
Beitrag: #53
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RE: Lao Tzu (‚Alter Meister‘)
LII
Das Unermeßliche/ alles Werdende Ursprung/ Ist alles Gewordene Mutter. Erkennen die Mutter/ heißt Kindschaft erkennen. Kindschaft erkennen/ heißt fortleben die Mutter. Fortleben die Mutter befreit von Endlichkeit. Beschlossen im Vielen/ aufgetan dem Einen/ Nie verstrickt Endliches. Aufgetan dem Vielen/ verschlossen dem Einen/ Naht endlose Verstricken. Wahrnehmungdes Nichtigen erfordert Größe. des Schauens. Wahren das Zarteist das geheimnis der Kraft. Seine Kindschaft auswirken/ Ist Heimkehren zur Mutter. Heimkehren zur Mutter/ Befreit vom Endlichen. |
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24.07.2012, 10:46
Beitrag: #54
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RE: Lao Tzu (‚Alter Meister‘)
LIII
Je weniger Wissen/ um so mehr Weisheit. Waltet Weisheit/ geschieht Gesetzmäßigkeit. Gesetzmäßigkeit weist gerade Wege/ Aber die leute lieben die Seitenwege der Gesetzlichkeit. Hofhalten und Selbstheit pflegen/ An Tafeln prassen/ auf Schwerter schwören/ Besitzbesessen Gesetzlichkeit setzen/ Heißt Einfalt züchtgen und Begehrden züchten. So verwaisen die Weisen. |
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25.07.2012, 08:54
Beitrag: #55
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RE: Lao Tzu
LIV
Wer in der Leere verwurzelt/ den wirfts nichts um. Wen die Leere umfängt/ den fängt nichts ein. Wer in die Leere eingeht/ geht aus durch die Geschlechter. Leere im Einzelleben zeugt Fülle/ Im Zusammenleben zeugt Entrückung/ Im Gemeinleben zeugt All-Gemeinsamkeit/ Im Volksleben zeugt Einheit/ Im Weltleben zeugt Gesetzmäßigkeit. Solchermaßen ist Fülle Maßstab für Einzelleben/ Entrückung Maßstab für Zusammenleben/ All-Gemeinsamkeit Maßstab für Gemeinleben/ Einheit Maßstab für Volksleben/ Gesetzmäßigkeit Maßstab für Weltleben. Wie geschieht mir dies Wissen ? Durch der Leere Geschehen. |
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26.07.2012, 19:18
Beitrag: #56
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RE: Lao Tzu
LV
Der Durchdrängte ist gleich wie ein Kind. Nicht beängstet durch Schwirrendes-Insekt/ Noch durch der reißenden Tiere Begier/ Nicht behemmt durch Wissen um Geschlecht/ Dennoch Werkzeug des Urtriebs/ Erweist sich sein Leibes Vollkommenheit. Widerstandsfähig wie eben ein Kind/ Das stundenlang schreit ohne heiser zu werden/ Erweist er Einklang mit der Gesetzmäßigkeit. So im Einklang vollzieht an ihm Sich das Geheimnis des Ungekannten. Allles Wissens Fülle stäubt ihm zu Weisheit. Verhaaren bei Daseins Gesetzen nennt man Stärke. Doch Verharren führt zu Erstarren. Gegen Gesetzmäßigkeits Gesetztes geht schnell gen Ende. |
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27.07.2012, 09:54
Beitrag: #57
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RE: Lao Tzu (‚Alter Meister‘)
LVI
Der Durchdrängte redet nicht/ Wer da redet/ ist nicht durchdrängt. Durchdrängt/ ist er beschlossen/ Aufgetan ins Beschlossene. Nicht einnehmend Standpunkte/ Nicht benimmt ihn Verwirrung. Befreit von Selbstheit/ Ist er Allen zunächst. Doch nicht berührt von Freundung wie Feindung/ Von Vorteil wie Nachteil/ Von Berühmung wie Berümpfung/ Ist er unnahbar. |
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28.07.2012, 09:15
Beitrag: #58
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RE: Lao Tzu (‚Alter Meister‘)
LVII
Mit Gesetzlichkeit mag man verwalten/ Mit Geschicklichkeit mag man vorwärtskommen. Aber der wahre Herrscher herrscht durch Nicht-Tun. Der Ablauf der Vorgänge ergibt: Je mehr Verwaltung/ um so mehr Gewalt. Je mehr Verordnung/ um so mehr Übertretung. Je mehr Waffen/ um so mehr Unruhe. Je mehr Gesetzlichkeit/ um so weniger Gesetzmäßigkeit. Also der Erwachte: Er meidet Verwaltung/ Und die Leute fühlen sich frei. Er meidet Verordnung/ Und die leute fühlen die Große Ordnung. Er meidet Schärfe/ Und die Teute entzweit nicht Tun. Er wart Gesetzmäßigkeit/ Und die Leute finden sich im Nicht-Tun. |
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31.07.2012, 17:38
Beitrag: #59
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RE: Lao Tzu
LVIII
Waltet Nicht-Tun/ ist einfaches Volk. Verwaltet Tun/ ist verwirrtes Volk. Gesetzlichkeit begräbt Gesetzmäßigkeit. Immer belauert Gesetzlichkeit Gesetzmäßigkeit. Doch verbessern heißt stets verschlimmern. Verordnung bringt aus der Ordnung. Einfach verkehrt sich in Verworren. Unbedingt verkehrt sich in Bedingt. Blindnis überwältigt/ Nicht erleuchtet das Überwältigende. Darum der Erwachte: Er gleicht einem Viereck/ ohne Kanten. Er gleicht einem Winkel/ ohne Spitze. Er gleicht einem Fels/ ohne Schärfe. Er gleicht einem Licht/ ohne Blendung. |
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02.08.2012, 22:39
Beitrag: #60
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RE: Lao Tzu (‚Alter Meister‘)
LIX
Das Volk vorwärts treiben zur Vollendung/ Geschieht durch Zurückbleiben. So findet das Volk ins Uranfängliche. Uranfänglich werden/ Heißt wieder erlangen die Fülle der Leere. Solche Fülle enthebt der Mängel. Erhoben sein ist Erhaben sein. Erhaben sein ist Begrenzung verlieren. Begrenzung verlieren ist Teil des Grenzenlosen sein. Teil des Grenzenlosen sein ist währen. Währen ist wie das Mütterliche sein. Es wurzelt im Bodenlosen und treibt ins Uferlose. Es geht ein/ Und doch verlischt nicht die Spur seines Unvergehen. |
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